mauerspecht

Fundstücke eines idealistischen Träumers.
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Oct 24

Saul Alinsky: Was wir wissen

“Laßt uns sehen, über welche Waffen wir verfügen, um der Herausforderung, die vor uns liegt, zu begegnen. Wissen und Vorsicht sind unter anderem unsere unschätzbaren Waffen; deshalb laßt uns herausfinden, was wir wissen.

  1. Wir wissen über die zerstörerischen Waffen des Atomzeitalters, daß wir entweder dem Krieg für immer ein Ende setzen werden oder er uns für immer ein Ende setzen wird.
  2. Wir wissen von allem über uns, daß die demokratische Lebensform der gangbarste Weg für den Menschen ist, die Schranken zwischen sich und seinen Hoffnungen auf die Zukunft niederzureißen.
  3. Wir wissen, daß bis heute die meiesten unserer Schmerzen, Enttäuschungen, Niederlagen und Fehler auf den Gebrauch eines unzulänglichen Instruments zurückzuführen sind: die einseitige Demokratie.
  4. Wir wissen, daß die Verwirrung und die inneren Konflikte, die in den Menschen toben, zu den größten Hindernissen bei der Lösung der Probleme der Menschheit gehören. Es ist die enorme Diskrepanz zwischen unseren moralischen Grundsätzen und unseren Verhaltensweisen. Es ist das menschliche Dilemma, das ständig einen Schatten der Schuld über die edelsten Bemühungen des Menschen wirft. Es nagt an unserem Lebensnerv und treibt uns in die Irrationalität.
  5. Wir wissen, daß der Mensch den Glauben an sich selbst finden muß - an seinen Mitmenschen und an seine Zukunft.
  6. Wir wissen, daß schon die kleinste Ungerechtigkeit böswillig ist und sich weltweit ausbreitet, wenn ihr nicht sofort Einhalt geboten wird.
  7. Wir wissen, daß der Mensch aufhören muss, das Goldene Kalb und das Monster des Materialismus anzubeten. Wir sind an dem Punkt angelangt, wo der Mensch geistige Werte besitzen muß, wenn er physisch überleben will.
  8. Wir wissen, daß wir uns mit den wichtigsten Ursachen beschäftigen müssen und nicht mit Endergebnissen.
  9. Wir wissen, daß wir uns mit den Verpflichtungen der Menschheit ebenso auseinandersetzen müssen wie mit ihren Rechten. Wir müssen erkennen, daß die Menschen ihre Verpflichtungen gegenüber ihren Mitmenschen und der Gesellschaft dann übernehmen, wenn sie das Gefühl haben, daß sie tatsächlich ein Teil der Gesellschaft sind, und die Gesellschaft soviel für sie bedeutet, daß sie sich wirklich verpflichtet fühlen oder Verpflichtungen besitzen.

Die Welt ist überflutet mit Allheilmitteln, Formeln, Gesetzesvorschlägen, Maschinerien, Auswegen und Tausenden von Lösungen. Es ist bezeichnend und tragisch, daß sich fast alle der vorgeschlagenen Pläne und vermeintlichen Lösungen mit der Gesellschaftsordnung beschäftigen, aber keine das Wesentliche berücksichtigt: das Volk. Und das trotz der ewigen Wahrheit des demokratischen Grundsatzes, daß die Lösung immer beim Volk selbst liegt.”

Saul D. Alinsky: Anleitung zum Mächtigsein - Teil I: Nennt mich einen Rebellen!