- Goddamn it! Goddamn it! Fuck you! Fuck Fight Club. Fuck Marla! I am sick of all your shit!
- OK, man.
- Quit screwing around. Steer!
- Look at you!
- Steer!
- Look at you. You're fucking pathetic!
- Why? Why? What are you talking about?
- Why do you think I blew up your condo?
- What?
- Hitting bottom isn't a weekend trip. It's not a goddamn seminar.
Stop trying to control everything and JUST LET GO!
LET GO!
mauerspecht
Fundstücke eines idealistischen Träumers.
Wer was für mich hat, schreibe an mauerspecht@temporaryforwarding.com
Liebe, Glaube und Mut
Glauben erfordert Mut. Damit ist die Fähigkeit gemeint, ein Risiko einzugehen, und auch die Bereitschaft, Schmerz und Enttäuschung hinzunehmen. Wer Gefahrlosigkeit und Sicherheit als das Wichtigste im Leben ansieht, kann keinen Glauben haben. Wer sich in einem Verteidigungssystem verschanzt und darin seine Sicherheit durch Distanz und Besitz zu erhalten sucht, macht sich selbst zum Gefangenen. Geliebtwerden und lieben brauchen Mut, den Mut, bestimmte Werte als das anzusehen, was “uns unbedingt angeht”, den Sprung zu wagen und für diese Werte alles aufs Spiel zu setzen.
Dieser Mut ist etwas völlig anderes als der Mut, von dem der Angeber Mussolini sprach, wenn er sich des Schlagworts “Lebe gefährlich!” bediente. Sein Mut war der Mut des Nihilismus. Er wurzelte in einer destruktiven Einstellung zum Leben, in der Bereitschaft, sein Leben wegzuwerfen, weil man nicht fähig ist, es zu lieben. Der Mut der Verzweiflung ist das genaue Gegenteil des Muts der Liebe, genauso wie der Glaube an die Macht das Gegenteil des Glaubens an das Leben ist.
Kann man Glauben und Mut irgendwie üben? Glauben kann man tatsächlich jeden Augenblick üben. Man braucht Glauben, um ein Kind zu erziehen; man braucht Glauben, um einschlafen zu können; man braucht Glauben, um mit irgendeiner Arbeit anzufangen. Aber wir alle pflegen ja diese Art von Glauben zu besitzen. Wer ihn nicht hat, leidet an einer Überängstlichkeit in bezug auf sein Kind, oder er leidet an Schlaflosigkeit oder an der Unfähigkeit, eine produktive Arbeit zu leisten; oder er ist mißtrauisch, hat Hemmungen, mit anderen in Kontakt zu kommen, ist hypochondrisch oder unfähig, etwas auf längere Zeit hinaus zu planen. Zu seinem Urteil über einen Menschen auch dann zu stehen, wenn die öffentliche Meinung oder irgendwelche unvorhergesehenen Ereignisse den Anschein erwecken, daß man sich irrte, an seinen Überzeugungen festhalten, auch wenn sie unpopulär sind - zu all dem ist Glauben und Mut nötig. Die Schwierigkeiten, Rückschläge und Kümmernisse des Lebens als Herausforderung anzusehen, deren Überwindung uns stärkt, anstatt sie als ungerechte Strafe zu betrachten, die wir nicht verdient haben, das erfordert Glauben und Mut.
Das praktische Üben von Glauben und Mut fängt bei den kleinen Dingen des täglichen Lebens an. Die ersten Schritte hierzu sind: darauf zu achten, wo und wann man den Glauben verliert, die Rationalisierungen zu durchschauen, deren man sich bedient, um diesen Glaubensverlust zu verdecken, zu erkennen, wo man sich feige verhält und welche Rationalisierung man hierbei anwendet, zu merken, wie jeder Verrat am Glauben uns schwächt und wie jede neue Schwächung zu einem neuen Verrat führt und daß dies ein Teufelskreis ist. Dann werden wir auch erkennen, daß wir bewußt zwar Angst haben, nicht geliebt zu werden, daß wir uns aber in Wirklichkeit - wenngleich meist unbewußt - davor fürchten zu lieben. Lieben heißt, daß wir uns dem anderen ohne Garantie ausliefern, daß wir uns der geliebten Person ganz hingeben in der Hoffnung, daß unsere Liebe auch in ihr Liebe erwecken wird. Liebe ist ein Akt des Glaubens, und wer nur wenig Glauben hat, der hat auch nur wenig Liebe. Kann man noch mehr über die Praxis des Glaubens sagen? Vielleicht kann ein anderer es. Wenn ich ein Dichter oder ein Prediger wäre, könnte ich es vielleicht versuchen. Aber da ich beides nicht bin, kann ich nicht einmal den Versuch machen, wenn ich auch meine, daß jeder, dem es wirklich am Herzen liegt, glauben zu lernen, es auch lernen kann, so wie ein Kind das Laufen lernt.
aus: “Die Kunst des Liebens” von Erich Fromm
and the only important thing
is that you meet it with courage
and with the best you have to give. Eleanor Roosevelt
„Und deine Hoffnung? – Log die Wüsten grün.
Und deine Wut? – Die klirrt als Eis im Glas.
Die Scham? – Wir grüßen uns von fern.
Dein großer Plan? – Zahlt sich zur Hälfte aus.
Hast du vergessen? – Neuerdings, mein Kopf.
In die Natur? – Oft fahr ich dran vorbei.
Die Menschen? – Seh ich gern im Film.
Sie sterben wieder. – Ja. Ich las davon …”
Die Welt ist nicht kompliziert. Erst unsere Vorstellung von der Welt macht sie kompliziert.
DIE DAME SCHOB DEN SCHWARZEN VORHANG ihres Kutschenfensters beiseite und fragte: «Warum fährst du nicht schneller? Du weißt, was für mich davon abhängt, rechtzeitig beim Fest zu sein!»
Der einbeinige Kutscher beugte sich von seinem Bock zu ihr herunter und antwortete: «Wir sind in einen Konvoi geraten, Madame. Ich weiß auch nicht wie. Ich habe wohl ein bißchen geduselt. Jedenfalls sind da plötzlich diese Leute, die uns die Straße verstopfen.»
Die Dame lehnte sich aus dem Fenster. Tatsächlich war die Landstraße von einem langen Zug von Menschen erfüllt. Es waren Kinder und Alte, Männer und Weiber, alle in abenteuerlichen buntscheckigen Gauklerkostümen, phantastische Hüte auf den Köpfen, große Packen auf den Rücken. Manche ritten auf Maultieren, andere auf großen Hunden oder Straußen vögeln. Dazwischen rumpelten auch zweirädrige Karren, hoch mit Kisten und Koffern bepackt, oder Planwagen, in denen Familien saßen. «Wer seid ihr?» fragte die Dame einen Jungen im Harlekinskleid, der neben ihrer Kutsche herging. Er hatte eine Stange über der Schulter, deren anderes Ende von einem mandeläugigen Mädchen in chinesischer Tracht getragen wurde. An der Stange hing allerhand Hausrat, auf ihr saß ein kleiner frierender Affe. «Seid ihr ein Zirkus?»
«Wir wissen nicht, wer wir sind», sagte der Junge. «Ein Zirkus sind wir nicht.»
«Woher kommt ihr denn?» wollte die Dame wissen.
«Aus dem Himmelsgebirge», erwiderte der Junge, «aber das ist schon lange her.»
«Und was habt ihr dort gemacht?»
«Das war, ehe ich auf der Welt war. Ich bin unterwegs geboren.»
Jetzt mischte sich ein alter Mann ins Gespräch, der eine große Laute oder Teorbe auf dem Rücken trug.
«Dort haben wir das Ununterbrochene Schauspiel aufgeführt, schöne Dame. Das Kind kann es nicht mehr wissen. Es war ein Schauspiel für die Sonne, den Mond und die Sterne. Jeder von uns stand auf einem anderen Berggipfel, und wir riefen uns die Worte zu. Es wurde unaufhörlich gespielt, denn dieses Schauspiel hielt die Welt zusammen. Aber jetzt haben es auch die meisten von uns schon vergessen. Es ist schon zu lange her.»
«Warum habt ihr aufgehört, es zu spielen?»
«Es war ein großes Unglück geschehen, schöne Dame. Eines Tages bemerkten wir, daß uns ein Wort fehlte. Niemand hatte es uns geraubt, wir hatten es auch nicht vergessen. Es war einfach nicht mehr da. Aber ohne dieses Wort konnten wir nicht weiterspielen, weil alles keinen Sinn mehr ergab. Es war das eine Wort, durch das alles mit allem zusammenhängt. Verstehen Sie, schöne Dame? Seither sind wir unterwegs, um es von neuem zu finden.»
«Durch das alles mit allem zusammenhängt?» fragte die Dame erstaunt.
«Ja», sagte der Alte und nickte ernsthaft, «auch Sie werden doch gewiß schon bemerkt haben, schöne Dame, daß die Welt nur noch aus Bruchstücken besteht, von denen keines mehr mit dem anderen etwas zu tun hat. Das ist so, seit uns
das Wort abhanden gekommen ist. Und das Schlimmste ist, daß die Bruchstücke immer weiter zerfallen und immer weniger übrig bleibt, was miteinander zusammenhängt. Wenn wir das Wort nicht finden, das alles wieder mit allem verbindet, dann wird die Welt eines Tages ganz und gar zerstäuben. Darum sind wir unterwegs und suchen es.»
«Glaubt ihr denn daran, es wirklich eines Tages zu finden?»
Der Alte antwortete nicht, sondern beschleunigte seine Schritte und überholte. Das Mädchen mit den Mandelaugen, das jetzt neben dem Fenster der Dame ging, erklärte schüchtern:
«Wir schreiben das Wort mit dem langen Weg, den wir gehen, auf die Oberfläche der Erde. Darum bleiben wir nirgends.»
«Ah», sagte die Dame, «dann wißt ihr also immer, wohin ihr gehen müßt?»
«Nein, wir lassen uns führen.»
«Und wer oder was führt euch?»
«Das Wort», antwortete das Mädchen und lächelte, als wolle es um Entschuldigung bitten.
Die Dame blickte das Kind lange von der Seite an, dann fragte sie leise: «Kann ich mit euch gehen?» Das Mädchen schwieg und lächelte und überholte langsam, dem Knaben vor sich folgend, die Kutsche.
«Halt!» rief die Dame ihrem Kutscher zu. Der zügelte die Pferde, wandte sich zurück und fragte: «Wollen Sie wirklich mit denen da gehen, Madame?»
Die Dame saß stumm und aufrecht in den Polstern und blickte geradeaus vor sich hin. Nach und nach zog der ganze Rest der Truppe an der stehenden Kutsche vorüber.
Als der letzte Nachzügler vorbei war, stieg die Dame aus und blickte dem Zug nach, bis er in der Ferne verschwunden war. Es begann, ein wenig zu regnen.
«Kehren wir um!» rief sie dem Kutscher zu, während sie wieder einstieg, «wir fahren zurück. Ich habe mich anders entschieden.»
«Gott sei Dank!» sagte der Einbeinige, «ich dachte schon, Sie wollten wirklich mit denen gehen.»
«Nein», antwortete die Dame gedankenverloren, «ich würde ihnen nicht von Nutzen sein. Aber du und ich, wir können bezeugen, daß es sie gibt und daß wir sie gesehen haben.»
Der Kutscher ließ die Pferde wenden.
«Darf ich etwas fragen, Madame?»
«Was willst du?»
«Glauben Madame daran, daß die dieses Wort irgendwann finden?»
«Wenn sie es finden», antwortete die Dame, «dann müßte die Welt sich von einer Stunde zur anderen verwandeln. Glaubst du nicht? Wer weiß, vielleicht werden wir irgendwann Zeuge auch dessen werden. Und jetzt fahr los!»
(Michael Ende: Der Spiegel im Spiegel)